
Zum Hineinlesen · Originalauszug aus dem Prolog
Ein Lot log nicht.

Gasse in Port de Sóller · Neirfy007 / Envato. Stimmungsbild.
Als Gabriel Muntaner begriff, dass er sterben würde, standen die achtzehn Fahnen auf Golf Son Vent noch in ihren Löchern.
Der Gedanke kam ohne Schrecken. Fast sanft. Als hätte sein Körper etwas verstanden, wofür sein Verstand noch keine Worte besaß.
Über ihm schwang ein Lot.
Messing, angelaufen an den Rändern, blank an der Spitze. Es hing an einer dünnen Schnur vor der nackten Glühbirne und durchschnitt ihren gelben Schein. Links. Rechts. Links.
Gabriel kannte das Stück.
Sein Vater hatte damit Mauern geprüft, lange bevor man Häuser mit Lasern vermaß und Grundstücke auf Bildschirmen in farbige Flächen zerlegte. Das Lot hatte über frisch gegossenem Beton gehangen, über feuchten Kellern, über Mauern, die noch nach Kalk und den Händen der Männer rochen, die sie errichtet hatten.
Ein Lot log nicht.
Gabriel hatte diesen Satz später bei Besichtigungen benutzt. Vor deutschen Unternehmern, schwedischen Erben, britischen Fondsmanagern. Meist hatte er dabei die Hand an einen alten Marès-Stein gelegt und gewartet, bis das Abendlicht aus einer Ruine ein Versprechen machte.
Die Kunden liebten den Satz.
Sie glaubten, er meine die Häuser.
Originalauszug aus dem Prolog von Tödliches Handicap. Die Leseprobe endet hier; die Auflösung bleibt im Roman.